Reise blog von Travellerspoint

Der einsame Berg

...ist gar nicht einsam, sondern oft besucht

44. Wanganui.
Heute besehen wir uns die Stadt am Ende des großen Kanuflusses, sie heißt passenderweise auch Wanganui. Zu meinem nicht geringen Erstaunen gab es bis 1950 mehrere Straßenbahnlinien in der Stadt, die die zahlreichen Arbeiter aus den Vororten herbeischafften. Warum sie den Verkehr gleich ganz eingestellt haben, wurde leider nicht erläutert, aber vermutlich ging es dieser lokalen Bahn wie den Fernzügen auf der Südinsel: Auf die eine oder andere Weise verfiel ein Abschnitt so sehr, dass man ihn hätte instand setzen müssen. Das lohnte sich jedoch nicht mehr, seit mehr und mehr Automobile als bevorzugtes Verkehrsmittel herumfuhren. Immerhin einen Straßenbahnwaggon haben lokale Enthusiasten gerettet und in mühevoller Kleinarbeit vor 5 Jahren restauriert. So fahren wir also sagenhafte 50 m mit diesem Waggon hin und her (immerhin zweimal), wobei besonders das Umsetzen des Stromabnehmers ein Event ist.
Anschließend wollen wir noch die lokale Höhendominante erklimmen, mit Unterstützung durch einen „Bergfahrstuhl“. Die hiesigen Menschen müssen ein besonders fauler Haufen gewesen sein, denn die hatten nicht nur die bereits erwähnten Straßenbahnen, sondern sie bauten auch extra in diesen Hügel einen Fahrstuhl ein, damit sie nicht immer laufen mussten. Dieser ist bis heute in Betrieb und wird wohl von Schülern (und manchmal Touristen) rege genutzt. Der Zugangstunnel ist schnurgerade und hat ein exzellentes Echo, welches wir auf dem ganzen Wege testen – die Fahrstuhlbegleiterin meint hinterher lakonisch, wir hätten nicht klingeln brauchen, sie habe uns bereits deutlich kommen hören. Von oben bietet sich ein grandioser Ausblick mit Fernsicht dar: Im Norden liegt der „einsame Berg“ (Taranaki / Mt. Egmont), im Osten können wir das Tongariro-Vulkanmassiv vom Anfang der Reise erkennen.
Auf dem Rückweg zum Auto schauen wir noch ein paar Jugendlichen zu, wie sie sich von der Brücke in den Fluss stürzen. Sie machen das offenbar nicht zum ersten Mal.

45. Taranaki.
Wir gehen auf Tuchfühlung mit dem Vulkan. Mit Kindern ist es uns leider versagt, ihn auch zu besteigen, aber wenigstens an seinen Flanken herumwandern ist drin. Namentlich gibt es einen Rundweg, der zu natürlichen Felsenbecken, Wilkies Pools, führt. Die Sonne brennt heute sehr, deshalb ist das ein angemessenes Ziel; wir haben nur leider die Badesachen vergessen, weshalb wir das Baden den anderen Familien überlassen. Weiter flussabwärts wurde ein kleines Wasserkraftwerk installiert, das (natürlich) als „historisches“ Gebäude beworben wird (es ist schließlich mehr als 100 Jahre alt!). Nunja. Es ist ein Kraftwerk, es liefert den Strom für das Informationszentrum hier oben. Interessanter ist ein weiterer Wasserfall, der aus beachtlicher Höhe in die Tiefe stürzt. Auch hier gibt es wieder die Badewütigen, leider ohne uns.
Zum Tagesabschluss besuchen wir (die Großen) noch einen Garten, einzeln, weil die Kleinen nach so vielen Eindrücken erst mal eine Runde schlafen müssen. Es gibt eine riesige Auswahl an Rhododendren. Um diese herum wurden andere Pflanzen gefällig arrangiert, sodass im Ergebnis ein sehr ansehnlicher, leider schon größtenteils abgeblühter, Garten entstand.

46. Stratford.
Wir besuchen eine weitere Variante historischen Freilichtmuseums, diesmal in Stratford. Es gibt eine große Anzahl verschiedenster Gewerke, denen jeweils ein eigenes Haus gewidmet ist. Für Clemens besonders wichtig ist jedoch das Schulgebäude mit angeschlossener Polizeiwache (und Gefängnis!). Selbstverständlich fahren wir auch mit der Eisenbahn eine Runde um das Gelände, ich bin auch nur ein kleines bisschen enttäuscht, weil es diesmal keine echte Dampflok ist, sondern ein Imitat mit Dieselmotor.
Anschließend nutzen wir das schöne Wetter, um den „einsamen Berg“ noch einmal aus der Ferne, über einen See hinweg, zu betrachten. Spiegelungen gibt es nicht, aber jede Menge Enten und Schwäne, die ihre Küken ausführen.

47. New Plymouth.
Nach zwei Tagen Sonne satt (und einer leeren Sonnencreme) werden wir heute Morgen von Wolken begrüßt. Das ist direkt eine Erleichterung, auch wenn wir nicht mehr den tollen Berg erkennen können, den (fast) jeder Laden in der Stadt in seinem Logo verarbeiten musste. Trotz akuter Unlust (wir sind dann doch langsam urlaubsmüde) geben wir der Stadt eine Chance und fahren ein Stück hinein. Zu unserer Überraschung ist sie doch ganz schön: Das Kunstmuseum wartet mit einer kleinen feinen Ausstellung auf: Illusionen. Wir staunen vor dem Glasfasermenschen, dem auf der Schallplatte tanzenden DJ und sind emsig dabei, virtuelle Buchstaben in die Flasche hinein und aus ihr hinaus zu pusten. Da uns dieser Teil so gut gefallen hat, nehmen wir uns auch noch die oberen Etagen vor: Ein buntes Sammelsurium stellt das Leben in der Region Taranaki im Wandel der Zeiten dar, jedenfalls im Wandel der letzten 150 Jahre. Von Ölbohrköpfen und Taucherglocken bis hin zu Violinen war vieles in den Vitrinen. Das letzte Geschoss stellt wieder einmal die heimische Flora und Fauna vor. Dabei liegt das Augenmerk erstmalig auch auf dem einzigen ursprünglich in Neuseeland lebendem Säugetier: der Fledermaus. Die ablaufende Parkuhr scheucht uns schließlich aus den Hallen und wir schaffen es nur noch, die Brewster Gallery von außen zu bewundern: eine hübsch gewellte und spiegelnde Fassade. Das Gebäude gegenüber sah auch halbwegs ansehnlich aus, sodass die Spiegelung etwas hermacht. Durch einige kunstvoll mit Graffiti verzierte Gassen wandern wir dann zurück zum Auto. Nur New Plymouths berühmteste kinetische Skulptur, das Auge über dem Hafen, enttäuscht uns. Es tut sich nämlich rein gar nichts. Der Wind weht eben am Meer gleichmäßig aus einer Richtung...

Nach der Stadt stehen noch zwei Strandbesuche an. Zunächst bewundern wir von einer Kuhweide über den Klippen die (ehemals) drei (jetzt zwei) Schwestern – Felsen im Meer, welche man bei Ebbe auch gut zu Fuß erreichen kann. Doch die Flut trägt uns weiter zu den schwarzen Stränden von Mokau. Da es gerade zuvor ein wenig getröpfelt hat, ist die oberste Schicht richtig schwarz und fühlt sich seltsam unter den Füßen an. Darunter ist feinster schwarzer Sand, auf dem die Muscheln danke guten Kontrasts einfach zu finden sind. Doch auch hier vertreibt uns der Regen und wir fahren weiter, um es morgen zu den Höhlen von Waitomo nicht mehr so weit zu haben.

48. Höhlen über Höhlen unter Höhlen neben Höhlen.
Nachdem wir nun schon an zwei Orten nicht in den Genuss der Glühwürmchenhöhlen kommen konnten, haben wir uns heute gleich zwei vorgenommen. Hier in Waitomo ist das auch gar kein Problem, da es das hiesige Höhlenmekka ist. (Es sind Touren durch diverse Höhlen und mit Rafting bis 7h möglich, aber wir lassen es lieber trocken angehen.) Zuerst besuchen wir die Ruakuri-Höhle, die einen künstlichen Eingang bekommen hat, da die Maori im ursprünglichen Eingangsbereich Bestattungen vorgenommen haben und nun ist dort alles heiliges Land, das nicht mehr betreten werden darf. Als alternativer Eingang wurde ein Schacht gegraben und mit einer Spiralrampe ausgestattet, die (aus purer Effekthascherei) stückchenweise weiter beleuchtet wird. Unten wurde ein Kalkstein platziert, der nun ständig den Wassertropfen ausgesetzt ist, die von der Decke herabtropfen; schon im Laufe weniger Jahrzehnte hat sich das Wasser beeindruckende Löcher und Rinnen geschaffen. Dem künstlichen Eingang folgte ein Tunnel, der in mühevoller Handarbeit vom Schlamm befreit wurde, damit die Touristen laufend und nicht kriechend in die Höhle gelangen können. (Und der Dreck musste in Schubkarren die Rampe hochgefahren werden.) Neben den zu bestaunenden Gesteinsformationen bewunderten wir vor allem die kleinen Stars des Dunkels: Glühwürmchen. Diese leuchtenden Larven klebten in großer Zahl in einigen Bereichen der Höhlendecke. Anders als bei den europäischen Exemplaren handelt es sich hier um Fliegenlarven, welche mit langen Fäden (fast wie Spinnen) und Neurotoxintropfen ihrer Beute habhaft werden. Der Tod durch ein Glühwürmchen ist wohl auch auf der Liste der schlimmsten Todesarten im Tierreich (nach der National Geographic) vertreten: Die vom vermeintlichen Sternenhimmel angelockten Mücken bleiben an den Fäden kleben, werden durch die Toxine gelähmt und im Laufe der nächsten Stunden vom Glühwürmchen nach und nach verflüssigt und aufgesaugt. Die ausgewachsenen Fliegen sind jedoch eher langweilig: keinen Mund und nur Fortpflanzung im Sinn. Das Weibchen muss ihre 200 Eier dabei sorgfältig in 20er-Packs an der Höhlendecke verteilen, da die zuerst schlüpfende Larve ihren Hunger stets mit ihren Geschwisterchen zu stillen pflegt. Der Fluss bringt immerzu neue Insekten mit in die Höhle, sodass die Glühwürmchen fröhlich weiter ihre Opfer anlocken können. Ohne die Todeskämpfe im einzelnen betrachten zu müssen, sind die vielen grünen Punkte im Dunkel einfach hübsch anzusehen.

Nach dieser ausgiebigen Höhlentour bleibt uns noch ein wenig Zeit, ehe wir die zweite Höhle erkunden können. Also gehen wir noch den hiesigen Bush Walk, der sich stellte als eine unerwartete Bereicherung darstellt: Im enger werdenden Flusstal können wir den Fluss in einer riesigen Höhle verschwinden sehen und auch unser Weg führt uns immer wieder durch kleine Kalksteintunnel, was mit der Kiepe eine echte Herausforderung darstellt.
Die nächste Höhle, die Waitomo Glowworm Cave, ist die Hauptattraktion des Dorfes und hier ist der Betrieb schon reger: im Viertelstundentakt werden Gruppen zu 30 Leuten hindurch gescheucht. Die Haupthalle ist riesig und das im dunkeln von allen gemeinsam gesungene Jingle Bells klingt auch nicht so übel. Clemens zumindest gefällt es. Die Informationen decken sich mit dem Vormittag, sodass wir Zeit haben uns umzuschauen – nur die Kamera musste draußen bleiben. Höhepunkt der Tour ist eine Bootsfahrt unter dem Glühwürmchenhimmel hinaus ins Freie; das ist echt ein Erlebnis. Da unsere Gruppe nicht in die vorgesehenen zwei Boote passt, bleiben wir alleine zurück am Bootssteg und haben die Glühwürmchen ein Weilchen für uns alleine, ehe wir mit der nächsten Gruppe nach draußen gezogen werden. (Mit den Leuchtpunkten ist es auch nicht komplett dunkel, sodass es eigentlich recht gemütlich ist – auch hier können wir die Höhlenakustik noch mal testen, es klingt gut!)
Eigentlich gibt es hier ja noch eine dritte Höhle, doch wir haben andere Pläne. Wir unternehmen einen Abstecher in Richtung Küste, um einen Wasserfall, eine kleine frei zugängliche Höhle (für die wir endlich unsere Taschenlampe brauchen!) und eine natürliche Felsenbrücke zu erkunden. Alle Ausflüge lohnen sich auf ihre Art und Weise. Der Wasserfall ergießt sich in breiter Front ins Tal und sieht aus wie eine altertümliche Filmkulisse, unter der Felsbrücke kann man die Stalaktiten endlich mal bei Tageslicht ablichten. Diese Brücke ist der Überrest einer Höhle, deren Decke zu schwer wurde.
Geschafft von so vielen Eindrücken kehren wir einfach zum Farmzeltplatz zurück und lassen die Kinder in der Spielecke frei.

49. Hobbiton.
Wir konnten nicht widerstehen und schauen uns heute doch noch ein Set an. Auch wenn es viel zu teuer ist und viel zu viel zu viele Menschen dort sind: Das Auenland muss noch ein wenig erkundet werden. In Hobbiton wurden sowohl der Herr der Ringe als auch später der Hobbit gedreht, nur war zwischendurch alles abgebaut. Erst im zweiten Anlauf hat man die finanziellen Möglichkeiten erkannt und alles etwas dauerhafter gestaltet.
In Reisebussen geht es vom Parkplatz zum Hobbitdorf , doch bei der Gruppenstärke und mit Clemens‘ Fragen zwischendurch bekommen wir nur die Hälfe der Führung mit. Wir sind aber neugierig darauf, die Filmszenen nochmal zu schauen, um es nun vielleicht besser würdigen zu können. Die Hobbithöhleneingänge sind allerliebst gestaltet und auch die Gärtner haben ein Lob verdient, da sie diesen Park zu unmöglichen Arbeitszeiten in Schuss halten. Die Größen der Höhlen variieren, damit man die Leute im Film entsprechend groß oder klein aussehen lassen kann.

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Abschied von der Südinsel

Erdbebenschäden und weiteres Getier

Schon wieder: Es gibt hier wenig Internet, jedenfalls da wo wir uns aufhalten, deshalb hier erstmal nur Texte.

38. Hooker Valley.
Mit immer noch tropfenden Nasen erwachen wir viel zu früh. Über Nacht haben sich die Wolken verzogen und der Anblick der Berge um uns herum ist grandios. Wir laufen wohl zu spät los, die größeren Reisegruppen überholen uns mehrfach, nur um dann vor uns stehen zu bleiben um einer Erklärung zu lauschen. Doch nach der ersten Hängebrücke legt sich dies. (Die Reisegruppen kehren offensichtlich nach dem ersten Aussichtspunkt um). Links und rechts des Weges gibt es ab und an „neue“ Pflanzen zu sehen, d.h. wir haben sie erstmalig hier in Neuseeland gesehen (was aber auch daran liegt, dass einige nur hier vorkommen). Ob des Ausbauzustands des „Wanderweges“ spotten wir ein wenig, dass wir den Kinderwaagen hätten mitnehmen sollen und dringen weiter in das Seitental vor, wo sich uns der Blick auf den Mt. Cook vollends eröffnet. Nach zwei weiteren Hängebrücken, welche natürlich alle entsprechend ihrer Moden angeregt werden müssen (auch wenn uns das nicht gelingt), erklimmen wir die letzte Endmoräne vor uns und blicken auf einen weiteren Gletschersee mit zahlreichen kleinen und großen Eisbergen - nur fahren hier keine Boote umher. Das Panorama mit dem höchsten Berg Neuseelands (na? Wer erinnert sich an den Namen?) ist pittoresk. Schließlich treten wir im brennenden Sonnenschein den Rückweg an und staunen, wo wir (und vor allem Clemens) heute schon lang gelaufen sind.

39. Christchurch.
Nach einigem Autofahren kommen wir endlich in Christchurch an. Eigentlich hätte man ja erwarten können, dass man die Gelegenheit nutzt, wenn schon mal die halbe Stadt zusammengefallen ist, um stadtplanerisch Straßen sinnvoll zu führen und eine wirkliche Infrastruktur zu schaffen, aber die Einwohner hingen wohl an ihrer Stadt, die sie 2010/11 verloren haben. So schaffen wir es durch die Vororte und den mittleren (er liegt zwischen Innenstadt und Wohngebieten) Gewerbegürtel ins Zentrum. Der Botanische Garten wartet mit mächtigen Bäumen auf, die gar nicht so alt sind, wie sie tun – dank des hiesigen Klimas sind die einfach schnell groß geworden. Auch den Weihnachtsbaumkugeln scheint das Wetter gut zu tun, nur passen sie nun nicht mehr an den Baum. Nach dem Spaziergang durch Stadtgrün, nehmen wir noch die historische Straßenbahn durch das Zentrum. Es wird einiges zu den tollen neuen Projekten und Gebäuden erzählt, aber der Anblick der Innenstadt ist immer noch traurig: Es gibt viele freie Flächen (welche erst einmal(?) als Parkplätze genutzt werden), viele Ruinen – mehr oder weniger abgestützt – und natürlich unzählige Baustellen. Überall werden neue Einkaufsmöglichkeiten (mit Fachgeschäften wie H&M…) und Büroräume errichtet, aber ansprechend sind die wenigsten Entwürfe. Ansonsten ist die Straßenbahnfahrt eine gute Möglichkeit, ohne Plattfüße alle Attraktionen zu besuchen und der Kinderwagen darf sogar ein wenig Frischluft schnuppern, während er draußen mitfährt.

40. Banks Penisula.
Wir erwachen im Nieselregen, sind aber gewillt dem Wetter noch eine Chance zu geben und fahren noch weiter auf die Halbinsel. Die Wanderung auf den Höhenzügen wählen wir jedoch sehr schnell ab, da die Sichtweite sehr gering ist. Stattdessen werden wir fraktional: Wir erwandern eine Halbinsel, die an einer Halbinsel dran hängt – was das mit nicht-ganzzahligen Dimensionen zu tun hat, erkläre ich dann ein anderes mal. Der Weg führt zunächst an einem kleinen Sandsteinhügel vorbei, dessen Muster und Formen (ehemalige Sedimente) beeindruckend abwechslungsreich sind. Der Strand ist für Clemens erst mal zu verlockend und so müssen zunächst Muscheln, Tang und Stöcke gesammelt werden. Danach geht es über üppige Wege auf den Hügel vor uns und wir können den Rundumblick über die Bucht genießen. Der Rückweg führt durch den Wald und wir finden hier und da recht interessante Pflanzen (z.B. Blüten, die direkt aus der Erde kommen). Dann müssen wir uns auf den Weg in den Norden machen, schließlich fahren wir demnächst zurück auf die Nordinsel.

41. Kaikoura.
Der einzige im Reiseführer erwähnte Zwischenstopp an der Ostküste ist unser heutiger Programmpunkt. Wir hoffen darauf, Wale oder Hectordelfine von einer weiteren Halbinsel aus zu erspähen. Dazu ist es natürlich nötig, diese zu erwandern. Für den Hinweg wählen wir die Aussicht von den Klippen und werden zunächst enttäuscht. Statt der Meeressäuger sehen wir nur Beobachtungsboote, die die Küste hinauf- und hinabbrausen. Später offenbart sich uns jedoch der Ausblick auf eine wahrlich üppige Robbenkolonie: viele schwarze Punkte auf den vorgelagerten Felsen. Am nördlichen Ende der Halbinsel kehren wir um und laufen am Strand zurück zum Parkplatz. Nachdem unsere Nasen die Möwenbrutplätze überstanden haben, schauen wir uns die Robben aus der Nähe an und sehnen uns danach, auch mal einen Tag nur in der Sonne herumzuliegen (jedenfalls manche von uns).

42. Picton.
Angekommen. Weiter nach Norden können wir an dieser Stelle nicht mit unserem Wohnmobil fahren, es kann nicht schwimmen. Die Fische hingegen können das prima, das schauen wir uns im lokalen Aquarium an. Abgesehen von wirklich beeindruckend großen Exemplaren der lokalen Wasserfauna gibt es (natürlich, wir sind ja in Neuseeland – dass das nur ja niemand hier vergisst!) eine Reptilienfamilie, Tuatara, die mit viel Aufwand vor dem Aussterben bewahrt werden soll. Früher (auch das hört man immer wieder) war sie überall auf dem „Festland“ verbreitet, heute gibt es sie noch auf ein paar vorgelagerten Inseln. Ihr existenzbedrohendes Problem besteht darin, dass es auf diesen kleinen Eilanden kaum oder keine Bäume und daher keinen Schatten gibt. Deshalb werden die im Sand gelagerten Eier zu warm und es schlüpfen nur Männchen. Es sollen also künstlich Weibchen nachgezogen werden. So richtig fortpflanzungsfreudig sind die Tuatara leider nicht. Es ist durchaus möglich, dass sie zwar schon mit 30 Jahren geschlechtsreif sind, aber weitere 60 Jahre einfach nur vor sich hin leben, ehe sie beschließen, das Elterndasein sei erstrebenswert… Die drei Männchen im Aquarium überlegen seit sechs Jahren, wer denn der dominante sei.
Nach diesem erhellenden Besuch essen wir stilecht Fish‘n‘Chips und verbringen den Nachmittag auf dem Spielplatz und am Wasser beim Zeltplatz. Sogar baden ist noch drin!

43. Überfahrt zur Nordinsel.
Unser heutiger Plan besteht darin, uns chauffieren zu lassen. Immerhin dauert die Überfahrt fast vier Stunden (und heute müssen wir nicht zu nachtschlafender Zeit da sein), dann ist nicht mehr viel Tag übrig, um anderes zu tun. Zunächst nehmen wir aber unser Fährticket entgegen und reihen uns in die lange Schlange vor der Fähre ein. Wir haben den optimalen Warteplatz. Direkt nebenan wird eine Dampflok auf ihre heutigen Fahrten vorbereitet: Es wird Öl nachgefüllt, das Feuer mit Holz in Gang gebracht, bevor es mit Kohle am Laufen gehalten wird, auch Wasser wird mit viel Brimborium aufgefüllt. (Beim zweiten Versuch sind auch beide Schlauchenden angeschlossen, sodass das Wasser in den Kessel gelangt. Clemens fühlt sich an die Feuerwehrübungen vor vier Wochen erinnert, als die angehenden Feuerwehrleute sich selbst duschten. Während des Füllens rätseln wir ein bisschen, woran man wohl erkennt, dass der Kessel voll ist, aber dann läuft es spektakulär über und unsere Frage ist beantwortet.) Leider müssen wir auf die Fähre fahren, bevor die Lok losfährt.
Während der Überfahrt verziehen wir uns in die Spielecke (heute nicht im Keller!), wo beide Kinder freudig vor sich hin spielen. Clemens übt balancieren auf drehbaren Elementen, Constantin schwingt sich zu Höchstleistungen auf und zieht sich in den Stand hoch. Wir sind beeindruckt, hoffen aber, dass er sich noch zwei Wochen zurückhalten kann, bevor er losläuft...

Eingestellt von CccC_auf_Reisen 09:40 Archiviert in Neuseeland Kommentare (0)

Getier der Ostküste

Zu Besuch bei Pinguinen, Albatrossen und Robben

30. Nugget Point.

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Unser spontan angesteuerter Lagerplatz mitten im Landesinneren (Lumsden) stellt sich, nachdem sich der Regen verzogen hat, als echter Glücksgriff heraus: Es gibt einen Spielplatz, geradezu luxuriöse öffentliche Toiletten und am alten Bahnhof des Städtchens (d.h. nebenan) hat der ansässige Verein dafür gesorgt, dass zwei (ausrangierte) Rangierloks samt Waggons zu besichtigen und natürlich auch zu beklettern sind. Der Aufbruch verzögert sich deshalb etwas, ehe wir die restlichen Kilometer zum südlichsten Punkt unserer Reise zurücklegen, zum Nugget Point. Wahrhaft sturmumtost erhebt sich hier der Leuchtturm auf seiner Klippe, die steil und mit fotogenen Vorfelsen ins Meer abfällt. Clemens hat endlich seinen Taschendrachen für sich entdeckt und muss ihn selbstverständlich ausführen. Auf dem windigen Parkplatz und so nahe bei den Klippen gibt es jedoch nicht viel Leine. Der Weg zum Leuchtturm ist gepflastert mit begeisterten Hobbyornitologen (zu denen ich Caroline dann auch mal mitzähle (völlig zu Unrecht – Anm. d. Lektors)). Allerdings sind die trägen (und deutlich größeren) Robben viel einfacher zu erkennen. Der Wind pustet uns bald wieder ins Auto und die Zeit reicht nur noch für einen kurzen Besuch bei der Pinguinkolonie nebenan. Als wir kurz vor der Beobachtunghütte sind, sagt man uns dass wir gerade zwei verpasst hätten; wir verlieren dennoch nicht den Mut und harren trotz eines quengelnden Constantins aus, bis sich ein Pinguin aus den Wellen erhebt, über den Strand watschelt und schließlich über die Steine hopsend im Gebüsch verschwindet. Clemens ist etwas geknickt, dass die Pinguine kein Gras fressen wollen, wo er es doch so fleißig am Wegesrand eingesammelt hat. (Er fängt sich aber schnell wieder und will es nun den Hühnern in Gersdorf mitbringen.)

31. Royal Albatross Centre.

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Um dem Gewirr der größeren Stadt Dunedin noch ein wenig zu entgehen, besichtigen wir heute erst mal die vorgelagerte Halbinsel. Das Wetter ist mäßig bis unentschlossen neblig, nur ab und zu bietet sich uns noch ein wenig Ausblick auf die Küste. Da unsere Albatrosstour erst später losgeht, nutzen wir die Zeit noch für eine kurze Wanderung. Der Aussichtspunkt lockt im Nebel wenig, deshalb driften wir in Richtung Küste bergab. Der Wind hat den Strandsand auch hier herauf geblasen, jedenfalls rutschen wir den Weg mehr oder weniger wie auf einer Düne hinab. Eine Aussichtsplattform oberhalb der Steilküste offenbart denn noch ein verstecktes Felsentor, dann geht es durch Schafweiden („Iih, Schafkacke! Mama, da musst du aufpassen.“) und den Düsterwald zurück zum Auto.

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Die Straßen sind kurvig und steil (jedenfalls vom Beifahrersitz aus), dennoch kommen wir an der Albatrosskolonie an und haben das Glück, in eine private deutschsprachige Führung zu geraten. Clemens schaut sich unterdessen "Albadrosseln" an. Der Wind hat auch aufgefrischt, sodass wir tatsächlich einige der Albatrosse im Flug beobachten können. Da der letzte Sommer zu heiß war und die Vögel nicht erfolgreich gebrütet haben, sind dieses Jahr besonders viele da. In unserer Führung sind auch noch die alten Militäranlagen und Bunker enthalten. Der Vorteil davon ist, dass man im Sichtstand des Bunkers den Nestern (oder jedenfalls den aus dem Gras ragenden Köpfen der Alten) noch mal wesentlich näher kommt. Ansonsten steht im Berg eine versenkbare Kanone, welche ihrer Zeit wohl voraus war, jedoch nur zu Übungen abgefeuert wurde (immerhin über 200x). Hintergrund ist der Krieg zwischen England und Russland in Afghanistan. Als Russland einmal mit dem Säbel rasselte und ein Kriegsschiff vor die neuseeländische Küste schickte, erkannten die Kiwis schnell, dass auf dem Schiff mehr Kanonen waren, als hier im ganzen Land und derart motiviert begannen sie sofort, ein eigenes Militär aufzubauen. Den Teil haken wir schnell ab und schauen uns lieber noch ein wenig die Königsalbatrosse, Möwen(-küken) und Robben an der Landspitze an. Die Blaukopfpinguine lassen sich (erwartungsgemäß) nicht blicken.

Erste Mythenmetzsche Abschweifung: Das Auto
Nach nun schon über einem Monat ist es an der Zeit, eine Zwischenbilanz der Besonderheiten unseres reizenden Campervans zu ziehen:
1.) Das Lenkrad ist auf der falschen Seite, aber den Baufehler haben hier viele Fahrzeuge.
2.) Der Seitenspiegel wackelte sich selbstständig nach unten, bis wir ihn wieder festgeschraubt hatten. Unser Taschenmesser war das optimale Werkzeug.
3.) Das Automatikgetriebe ist eher für flaches Land ausgelegt, sodass der Motor des öfteren hemmungslos aufheult, wenn man mit 30 km/h den Berg hinauf prescht. Auch das mit der Motorbremse mussten wir erst noch lernen, aber jetzt jault der Motor bei steilen Abfahrten allerliebst vor sich hin.
4.) Aus unerfindlichen Gründen tropft es neuerdings (bei Starkregen) an der Seitentür ins Auto. Außerdem bilden sich lustige Pfützen auf dem Dach, die bei geöffneter Tür auch mal unsere Liegefläche in ein Wasserbett verwandeln (aber nur, wenn man dann am Auto wackelt und der Dachsee sich entleert).
5.) Es gibt ein sehr gut verstecktes Fliegengitter (wir haben 4 Wochen gesucht).
6.) Die Sicherungen für die Elektrizität befinden sich gut erreichbar unter der Liegefläche. Das ist optimal, wenn man abends da noch mal ran muss.
7.) In Teilen der Sitze sind die Befestigungsnägel nicht komplett versenkt, sodass man sie mit etwas Geschick mit den Knien wiederfinden kann.
8.) Das Fenster auf der Beifahrerseite ruckelt sich während der Fahrt des öfteren in eine instabile Position, sodass es laut anfängt zu klappern.
Ende der ersten Mythenmetzschen Abschweifung

32. Dunedin.

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Der Morgen wartet mit Wind und Regen auf, sodass wir eine Beschäftigung für drinnen suchen. Also fahren wir zurück auf die Halbinsel und besichtigen Neuseelands einziges Schloss, das nach europäischen Maßstäben wohl eher ein Herrensitz wäre. Natürlich wird in den unteren Räumen erst einmal ausgiebig über die (sagenhaft lange) etwa 150-jährige Geschichte der Lokalität berichtet und es fehlt auch nicht die huldvolle Vorstellung der Familie, die das Schloss in den vergangenen 50 Jahren wieder in Stand gesetzt hat (mit kräftiger Hilfe durch finanzstarke Touristen). Im ersten Stock begeistert uns das Musikzimmer – es ist geheizt – und darin besonders einige präparierte Vögel unter einer Glasglocke. Ein Stockwerk darüber wundern wir uns vornehmlich über die Positionierung des Bettes: im größten Erker des Hauses, der bei schönem Wetter sicherlich einen schönen Blick auf den Garten bietet, steht das Bett mit dem Kopfende (also einem hohen abschließenden Brett) zum Fenster – man ist schließlich zum Schlafen und nicht zum Rausgucken im Bett. Ansonsten gibt das Gemäuer einen schönen Einblick in die viktorianische Zeit: Marmorbadewannen auf der einen Seite des Hauses und schmale Betten und Waschschüsseln auf der anderen. Ein Nachttisch diente auch nur zur Aufbewahrung der Nachttöpfe. Schließlich finden wir nichts mehr zum Angucken und müssen trotz anhaltenden Regens nach draußen, um den Garten zu durchstromern. Ein Teil ist leider abgesperrt, aber ein schmaler Weg den Hang hinunter eröffnet nun endlich Ausblicke auf die Bucht und Dunedin. (Es klart auf!) Und der Garten selbst ist auch allerliebst am steilen Hang angelegt. Wir verzichten lediglich auf den 14. Native-Bush-Walk und lenken das Auto Richtung Dunedin.

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Hier haken wir den obligatorischen Besuch des Octagons (d.h. des achteckigen Hauptplatzes) und des Bahnhofs ab und schaffen es gerade noch in den Chinesischen Garten (sehenswert, wenn auch klein), ehe unser Parkticket abläuft.
Der neue Zeltplatz bietet Clemens ein Spielhäuschen in der Lounge, sodass er den ganzen Abend damit beschäftigt ist, sich um den Teddybären und das Krokodil darin zu kümmern.

33. Otago Museum.

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Der Regen weckt uns und will auch nicht nachlassen, sodass wir unsere Schritte ins Otago Museeum richten. Zunächst beschauen wir uns die Tierwelt Neuseelands und der restlichen Welt. Die zahlreichen Modelle / Präparate sind recht anschaulich. Neben dem Seeleoparden verblüffen uns Tunnelspinnen, ein Krokodil auf dem Fußboden und auch die viktorianische Sammlung von Präparaten auf dem Dachboden (Löwen, Schildkröten, Vögel, einmal durch die Wirbeltiere). Der Parkschein ist abgelaufen, also Mittagessen im Auto und dann geht es zurück in den zu bezahlenden Teil des Museums, namentlich den Schmetterlingsgarten und einen Spielplatz für Große: das Science Center.

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Hier werden verschiedene Aspekte der Natur von reiner Physik bis zur Biologe herrlich spielerisch dargeboten. Clemens ist von der großem Badewanne begeistert in der man Flusslandschaften bauen und formen kann. Dann gibt es noch eine große Turbine, in deren aufstrebendem Luftstrom Papierflieger (Samenmodelle) zur Decke empor kreiseln. Auch das Skelett auf dem Fahrrad ist recht anschaulich, weil es sich bewegt, wenn man mit ihm zusammen eine Radtour unternimmt. Mit Bauklötzen auf einer Rüttelplatte kann man etwas über erdbebensicheres Bauen lernen und auch der Klangbiss ist ein schönes Experiment zum Thema Knochenschall. Nur beim Gruppenpackman (4 Leute bedienen je eine Richtung) scheitern wir kläglich und kommen nicht über das erste Level hinaus. Wir bleiben den ganzen Nachmittag und haben viel gelernt.

34. Dunedin (immer noch).

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Heute besuchen wir die (hiesige) steilste Straße der Welt, die Baldwin Street. Wir sind nicht allein, auch hier werden die Leute gleich busseweise herangekarrt. So touristisch hatte ich das gar nicht mehr in Erinnerung – aber Zertifikate werden noch immer verkauft (moderner Ablasshandel).

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Im Anschluss schauen wir uns noch den botanischen Garten an, damit wir auch wirklich alle lokalen Attraktionen abgegrast haben. Leider ist es ziemlich kalt, sodass zunächst keine rechte Freude aufkommt, aber dann entdecken wir kurz nacheinander einen prima Kletterbaum, riesige Redwoods zum Verstecken spielen, einen Spielplatz und eine Straßeneisenbahn. Mit letzterer lassen wir uns selbstverständlich durch den Park chauffieren und der Tag wird schon ein bisschen besser. Schließlich besuchen wir nicht nur die Aviarien, sondern entdecken auch noch verschiedenste Themengärten, deren Gestaltungsaspekte hilfreicherweise auf kleinen Tafeln zusammengefasst werden. Dadurch gewinnen die Anpflanzungen bedeutend. Unter anderem gibt es einen Rhododendrongarten (so etwas habe ich schon mal gesehen, deshalb kann ich sagen, dass dieser sehr gelungen ist) und einen Garten mit südafrikanischen Pflanzen, die wirklich sehr exotisch wirken, selbst hier am anderen Ende der Welt. Als wir genug durchgefroren sind, machen wir uns auf den Weg zu einem DOC-Campingplatz, der Glencoe(!) Campsite. Wir sind zunächst allein, aber dann kommt noch eine stuttgarter Familie auf Weltreise mit zwei Kindern (3 und 4) an, was von Clemens mit großer Begeisterung aufgenommen wird – fortan rennen sie zu dritt über die Wiese und graben den schlammigen Parkplatz mit Stöcken um. Für uns ist es auch mal eine nette Abwechslung, sich abends noch mit anderen zu unterhalten.

35. Moeraki Boulders.

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Wir sehen uns Steine an! Okay, das klingt erst mal nicht sehr spannend, aber diese Steine sind annähernd rund, mannshoch und liegen in verschiedenen Stadien des Zerfalls am Strand herum. Sie sind ähnlich berühmt wie die Pancake Rocks und müssen bei einer Rundreise zwingend besucht werden – auch hier treffen wir also alte Bekannte von den letzten Zeltplätzen wieder. Mit klettern, Muscheln sammeln und Stockspielen verbringen wir den ganzen Vormittag hier, dann geht es weiter auf eine Schaffarm. Hier wird uns erläutert, wie das früher ablief mit der Schafzucht und (darauf sind sie besonders stolz) wie es zum ersten Tiefkühltransport für Fleisch kam. In Neuseeland gab es nämlich wenig Einwohner, aber viele Schafe, die neben Wolle (dafür wurden die gehalten) auch Fleisch gaben (schließlich ist jedes Schaf irgendwann alt), in England wiederum war das Essen knapp. Mit ein wenig Herumexperimentieren und dem glorreichen Einsatz des lokalen Helden wurde ein funktionierendes Verfahren entwickelt, beiden Seiten abzuhelfen. Die geschlachteten Schafe konnten direkt auf dem Transportschiff (der „Dunedin“) tiefgekühlt werden, nach nur vier Monaten kam das Fleisch in herausragender Qualität in England an. Ein Detail fand ich persönlich etwas gruselig: Am Tag wurden etwa 50 Schafe geschlachtet, das Blut und Innereien und alles, was nicht weiterverwendet werden konnte, wurde direkt durch Rinnen bzw. Fenster in den Hof geleitet, wo 200 Schweine davon lebten.

36. Oamaru.

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Wir wachen alle mit laufenden Nasen auf und haben nicht so richtig Lust auf den Tag, aber Constantin treibt uns irgendwann doch an. Wenn er morgens wieder müde wird, sinkt seine Laune dramatisch und er möchte nur noch umher getragen werden, was dann eine räumende Kraft (der ohnehin nur zwei) völlig aus dem Spiel nimmt. Während der Autofahrt haben wir dann doch etwas Ruhe und kommen an der Kolonie von Blaupinguinen in Oamaru an. Natürlich kommen diese erst am Abend von der Jagd zurück, da jedoch gerade Brutsaison ist, können wir in einige der Nester (extra positionierte Kisten) von oben hinein schauen und den Pinguinen (sowohl ausgewachsenen als auch Küken) beim Nichtstun zuschauen. Leider haben sich unsere Nasen jedoch mittlerweile wieder soweit geöffnet, dass wir die dauerhafte Anwesenheit der Vögel auch olfaktorisch wahrnehmen können. Am Strand sonnt sich noch eine Robbe, uns aber zieht es in die Stadt, welche zahlreiche ansehnliche Gebäude aus der viktorianischen Zeit aufweist.

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In der ehemaligen Hafenstraße finden wir viele(!) Galerien, Souvenirshops und einen (aus den Niederlanden immigrierten) Bäcker, der neben unserem Mittagessen (Pasteten) auch ein anständiges Brot zu verkaufen hat. Meine Zähne sind Kruste schon gar nicht mehr gewöhnt. So gestärkt machen wir uns auf zur zweiten Attraktion des Ortes: das Steampunk Headquarter. Vor einem der Hafengebäude erhebt sich imposant eine getunete Dampflok und speit Feuer aus dem Schornstein. Derart angelockt sehen wir uns noch den Rest der Ausstellung an: einige Dinge waren echt schön (im Rahmen eines Mad Max Films), in anderen konnten wir nur Schrott erkennen. Constantin war auf jeden Fall von der umgebauten Orgel begeistert, welche verschiedenste Alltagsgeräusche von sich gab (nur keine Orgelklänge).

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Wir haben beschlossen, auf dem Weg nach Christchurch noch einen Abstecher in die Berge zu unternehmen, auch weil Christoph bereits einen Küstenkoller hat und unbedingt Berge sehen muss, also fahren wir gen „südliche Alpen“. Zunächst erkunden wir jedoch noch die Elefant Rocks, bizarre Steingebilde aus Kalkstein, die wahrlich zum Klettern einladen. Mit viel Fantasie und aus dem richtigen Winkel ist auch hier und da ein Elefant zu erkennen. Als Bonus laufen echte Schafe zwischen den „Elefanten“ herum.

37. Tasman Glacier.

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Das Ziel des heutigen Tages ist die Rückseite des Mt. Cook oder zumindest die Siedlung am Fuße des Bergmassivs. Das bedeutet leider zunächst einmal sehr viel Autofahren. Der erste Zwischenstopp führt uns zu einem Kalksteinüberhang, in dessen Löchern unzählige Tauben nisten. Auch die Maori waren hier einst fleißig und hinterließen Malereien am Fels. Der Großteil wurde jedoch fachmännisch herausgebrochen und ist in Museen im ganzen Lande ausgestellt. Auch was im einzelnen dargestellt oder warum überhaupt die Felsen angemalt wurden, bleibt ein Rätsel.
Bei unserem Mittagsstopp in Twizel ist Clemens auf dem rege frequentierten Spielplatz zugange und Constantin ist die Picknickdecke mal wieder viel zu klein um darauf zu spielen. Der Ort scheint nur aus Ferienhäusern zu bestehen, aber der zentrale Platz ist ganz hübsch.

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Da es schon spät ist, als wir endlich die Berge erreichen, unternehmen wir nur noch einen kurzen Abstecher zu den Blauen Seen und zum Gletscher-Aussichtspunkt. Die Seen sind eher grün als blau und auch sonst eher langweilig, deshalb verlassen wir sie nach ein paar geworfenen Steinen. Der Weg zum Gletscheraussichtspunkt führt gut ausgebaut mit vielen Treppen über die Endmoräne, auch hier strömen die Massen dahin. Die Aussicht ist jedoch grandios: Der Gletscher mündet direkt in den See und zeigt tiefblaues Eis, sogar ein paar Eisberge treiben davor! Letztere werden mittels Jetbooten besucht, aber keines kentert…
Schließlich haben wir alles gesehen und begeben uns zum Zeltplatz, er liegt malerisch im Nebental und bietet den Blick auf eine Eiswand (man hört regelmäßig kleine Abbrüche) und diverse Gipfel, so sie denn nicht in den Wolken verschwinden.

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Südliche Westcoast

Ich sage nur Gletscher, Spiegelungen, Fjorde, Sandflies, Moore, Urwald, aber ich will nicht vorgreifen.

Tag 22: Hokitika und Okarito.

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Nach Greymouth geben wir auch Hokitika eine faire Chance; es ist wieder mal eine Stadt, die ihre Gründung dem Goldrausch zu verdanken hat, und am Ende dennoch nicht verschwand. Das Zentrum ist etwas weitläufiger als in Greymouth (d.h. es gibt mehr als eine ansehnliche Straße) und das Glockentürmchen in der Mitte eines Kreisverkehrs macht auch einen besseren Eindruck. Uns zieht es zum Strand, denn hier sollen laut Reiseführer viel Treibholz und wenig Jade herumliegen (so man denn die unscheinbaren Steine von außen erkennt), aber es ist Flut und der Strand folglich verschwunden. Nun ja, immerhin das Treibholz hat sich zwischen den großen Felsblöcken sichtbar verfangen und Kreative haben daraus den großen Namenszug der Stadt am Meer gebastelt, was von allen Touristen ausgiebigst gewürdigt und natürlich auch fotografisch festgehalten wird.
Wir haben zwar keine suchen können, aber es gibt hier ganz offensichtlich doch greenstone-Vorkommen, denn jedes zweite Geschäft bietet fertigen Schmuck oder Kurse zu dessen Herstellung an. Wir sehen uns eine Weile die Werkzeuge an und erwerben dann ein paar Steinbruchstücke – wir werden das dann einfach zu Hause probieren.

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Wir sind der Meinung, diese Gegend nun genug gewürdigt zu haben und steigen ins Auto, um nach Okarito zu fahren. Fast am Strand (und neben einem „Flugfeld“, d.h. einer einigermaßen ebenen Wiese) gibt es einen netten Zeltplatz (mit Dusche!), der auch Caroline noch ein Begriff ist. Weil der Tag noch nicht zu weit fortgeschritten ist, brechen wir noch zu einer kleinen Wanderung auf: Wir erklimmen einen Aussichtspunkt, von dem wir sowohl die Küste als auch die Berge im Hinterland betrachten können – trotz des regnerischen Wetters und der weiteren aufziehenden Wolken. Auf dem Rückweg staunen wir noch einmal über die riesigen umgekippten, weil entwurzelten Bäume, welche kleine überhängende Höhlen links und rechts des Weges gebildet haben.

Tag 23: Franz Josef und Fox.
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Endlich Gletscher: Nachdem schon seit mehreren Tagen die Wegweiser in Richtung der neuseeländischen Gletscher (als ob es hier keine anderen gäbe...) zu sehen waren, sind wir heute endlich da. Zunächst besuchen wir unserer Reiseroute entsprechend Franz Josef. Da ein Helikopterflug unser Reisebudget bei weitem sprengt, wandern wir mit dem gemeinen Volke in Richtung der Gletscherzunge. Wir kommen 10 Jahre zu spät – zumindest drängt sich uns dieser Eindruck bei der Wanderung in der sengenden Sonne auf, denn vor zehn Jahren hätten wir nicht so weit laufen müssen (und in weiteren zehn Jahren ist der Parkplatz wahrscheinlich weiter talaufwärts). Die Wasserfälle an den Talseiten sind eine willkommene Abkühlung. Der Gletscher an sich ist beeindruckend (findet Christoph), aber heute sehr statisch (auch wenn er sich laut Datenblatt 1,7 bis 7 m pro Tag ins Tal schiebt) oder die Entfernung von 750 m zum Gletscher ist einfach zu weit, jedenfalls sehen wir keine spektakulären Eisabbrüche.
Der Fox-Gletscher bleibt uns verschlossen. Der Track zur Gletscherzunge ist auf Grund eines Erdrutsches gesperrt und so können wir nur von einem entfernteren Aussichtspunkt die Gletscherzunge betrachten.

Tag 24: Lake Matheson.

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Auch diesmal muss ich auf die berühmten Spiegelungen der „Alpen“ (Warum heißen nur so viele Höhenzüge Alpen? Gibt es keine anderen Namen?) verzichten, denn wir haben es weder gestern Abend noch heute früh geschafft, die relative Windstille zu nutzen. Um den See gewandert sind wir natürlich trotzdem, denn auch ohne Spiegelbild ist das Panorama großartig. Im Vergleich mit den letzten Wäldern, die wir besuchten, wirkt dieser direkt alt, er wurde nämlich nicht vor 120 Jahren das letzte Mal komplett gerodet. Deshalb gibt es auch viele dicke Stämme mit ordentlichem Flechten-, Moos- und größerem Pflanzenbewuchs zwischen den dünnen Halmen.

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Ab Fox gen Süden ist die Landschaft geradezu entvölkert und es gibt bis auf ein paar wenige Aussichtspunkte keinen Anlass, irgendwo Station zu machen, deshalb fahren wir ein längeres Stück und biegen in Haast (dem SH6 folgend) ins Landesinnere ab, besichtigen noch schnell einen Wasserfall und suchen einen DOC-Zeltplatz heim, der sich erstaunlicher Beliebtheit erfreut, obwohl er außer einer Toilette nichts bietet: Wir haben mit unserem wirklich nicht überdimensionierten Gefährt schon fast Probleme, einen Stellplatz zu finden.
Morgen werden wir wohl blass und blutleer weiterreisen (so wir es denn noch schaffen), denn die Sandflies sind hier besonders gierig auf unser Blut. Vielleicht liegt es an der dünnen Besiedlung der Gegend – oder die Kausalkette verläuft andersherum, wer will schließlich schon ständig aufgefressen werden, sobald er nur einen Fuß nach draußen setzt?

Tag 25: Über den Pass!

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Heute geht es endlich auf die andere Seite der Berge und weg von der Küste (und den Sandflies!), fürs erste zumindest. Der Pass von Haast nach Wanaka stellt sich jedoch als ungemein enttäuschend heraus: Wäre unser Auto nicht so untermotorisiert, hätten wir es gar nicht gemerkt, dass es wieder bergab ging. Immerhin beschert uns die Fahrt entlang der Seen noch herrliche Ausblicke auf die nächsten Bergketten und dann tauchen wir auch schon wieder in die Zivilisation ein – nichts mehr mit menschenleerer Weite. Mit etwas Glück bekommen wir noch einen Parkplatz, von welchem aus wir den lokalen Jogginghügel Mount Irons besteigen können. Er selbst ist völlig reizlos, aber was nimmt man nicht für eine bessere Übersicht in Kauf: Schritt um Schritt wird die Aussicht auf See und Stadt besser. Zum Glück sind wir auf der Seeseite aufgestiegen – im Osten erstreckt sich lediglich eine langweilige Einöde. Nur ein paar Felsformationen sorgen für etwas Abwechslung, aber wir alle möchten wieder aus der brennenden Sonne raus.

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Wir entfliehen in die Puzzling World – eine Mischung aus Spiele-Cafe, Anfass-Museum und Irrgarten. Neben den üblichen optischen Illusionen (Es war sehr lustig zu sehen, wie Clemens nach den Bananen greifen wollte, die das Hologramm so schön dreidimensional darstellt.) gibt es einen gekippten Raum mit vielerlei Spielzeug: Wasser, das der Gravitation trotzt, einen Treppenlift ohne Antrieb und Kugeln, die nach oben rollen. Wir sind begeistert. Der Irrgarten war leider wieder in der Sonne, sodass wir nur 2 (der vier) Eckpunkte ablaufen und uns dann in Richtung Zeltplatz verkrümeln. Nach einigem Suchen kommen wir schließlich auf einem Parkplatz in Flussnähe an und sind auch bald nicht mehr so allein… (andere Camper und Sandflies gesellen sich zu uns)

Tag 26: Fahren Fahren Fahren.

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Wir wollen mit Queenstown nichts zu tun haben und versuchen die Stadt zu umfahren. Ohnehin hatten wir vor Arrowtown einen Besuch abzustatten und dort noch einmal den Goldrausch erklärt zu bekommen, inklusive der obligatorischen chinesischen Siedlung (großkotzig Chinatown genannt). Alles wird in Wort und Bild erläutert, ein paar der ärmlichen Hüttchen wurden auch wieder aufgebaut. Inzwischen habe ich doch das Gefühl, ein recht umfassendes Bild der damaligen Zeit und der Goldsucher zu haben. Nachdem wir ob des traurigen Lebens der neuseeländischen Chinesen deprimiert genug sind (Die meisten kamen, um in fünf Jahren so viel Geld zu verdienen, dass es in der Heimat für eine kleine Farm reichte. Wenige erreichten dieses Ziel, viele brauchten länger, kehrten zurück und stellten dort fest, dass das Leben ohne sie weitergegangen war oder sie ihre Verwandten und Bekannten überlebt hatten. Andere, die lieber blieben (oder keine Möglichkeit hatten, die Passage zu bezahlen), vereinsamten in Neuseeland, weil die europäisch geprägte Gesellschaft keinen Platz für sie hatte und sich die chinesische Gemeinschaft ob der Rückkehrer oder weitergezogenen Glücksritter langsam auflöste.), kehren wir dem Ort den Rücken und besuchen noch kurz den Arthur‘s Point, wo das Kontrastprogramm geboten wird:

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Mit Jetbooten wird eine Schlucht durchfahren, unter der sehr schönen Edith-Cavell-Brücke hindurch. Bemerkenswert ist, wie sie zu ihrem Namen kam: Es gab in der Gegend einen Farmer, der fand, dass die Brücke dieser Frau gewidmet sein sollte; die Behörden waren dagegen. Zum Eröffnungstag schrieb er nun kurzerhand ein Hinweisschild „zur Cavell-Brücke hier entlang“ und hängte es prominent auf, sodass es alle lesen mussten, die kamen. Damit der Name auch nicht in Vergessenheit geriet, schrieb er außerdem auf die Brücke selbst mit roter Farbe Edith-Cavell-Brücke. Als diese Farbe dann verblasst war, hatten sich alle an den Namen gewöhnt.
Schließlich müssen wir wohl oder übel ins Auto steigen und gen Südwesten fahren, damit wir in den nächsten Tagen das Fjordland besuchen können. In unserer Klapperkiste dauert die Fahrt nach Te Anau ewig, aber immerhin finden wir dort einen Zeltplatz mit Spielplatz – und der Spielplatz bietet als Bonus noch einen Bagger! (Ich kenne übrigens auch diesen Zeltplatz, da war ich schon mal.)

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Tag 27: Milford Sound.

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Heute ist es endlich soweit: Wir besuchen den berühmten Fjord. Trotzdem wir uns gestern schon weit herangepirscht haben, dauert es heute noch zwei Stunden, ehe wir endlich da sind. Unterwegs bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack auf die Touristenmassen, die uns am Ziel erwarten: Busseweise werden die Menschen in diese 120 km lange Sackgasse hineingekarrt. Unser Timing ist perfekt, wir kommen genau im ersten Morgentrubel an und werden freudigst (und wie im Reiseführer angekündigt) von schwarzen Sandfly-Wolken begrüßt. Ich dachte bisher schon manchmal, dass es unmöglich viele gibt, aber das hier übertrifft alles. Da hilft es nur, sich zu bewegen oder bewegen zu lassen. Wir wählen letzteren Ansatz und befahren den Fjord mit einem Dampfer, was uns die Sichtung eines(!) Pinguins und mehrerer Robben beschert. Bei der Rückfahrt zum Hafen versuchen wir uns vorzustellen, wie sich die Entdecker dieser Fjorde wohl vorkamen; ich wäre bestimmt nicht in so etwas hineingefahren, was fast 1000 m nahezu senkrechte Felswände aufweist, um am Ende einen Hafen zu suchen, aber ich bin ja auch kein Entdecker.

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Die Fliegen vertreiben uns recht bald nach unserem Mittag und wir trödeln wieder gen Zivilisation. Wörtlich. Unser Gefährt schafft die Steigung mit Müh und Not und wir werden ständig von „Rasern“ überholt, die mehr als 30 km/h schaffen. So haben wir immerhin jede Menge Zeit, die grandiosen Wasserfälle an den umliegenden Felswänden zu würdigen. Nachdem wir pflichtbewusst an allen möglichen Aussichtspunkten angehalten und weitere Wasserfälle verschiedensten Charakters besucht haben, nehmen wir in kühnem Schwung die letzte Kurve auf den ersten Campingplatz, der uns begegnet. Die App verkündet fröhlich, es seien 120 Stellplätze vorhanden – wir glauben das nicht, schließlich ist es ein DOC-Campingplatz und die sind doch eher klein und gemütlich. Die App hat recht. Immerhin jedoch verteilt sich das auf der lupinengefärbten Ebene ganz gut, sodass es nicht klaustrophobisch eng wird.

Tag 28: Rückkehr nach Te Anau.
Unser Zeltplatz liegt günstig, sodass wir gleich morgens eine kurze Wanderung durch den Wald machen können. Genauer gesagt hat Clemens diese schon gestern Abend mit Christoph unternommen, damit Constantin eine Chance hat, in Ruhe einzuschlafen. Infolgedessen wird mir heute Morgen jeder gedrehte Baum erklärt und jeder Abzweig zielsicher genommen – ich habe auch ehrlicherweise keine Ahnung, in welche Richtung wir müssen.

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Wir wollen noch einen weiteren Versuch unternehmen, eine Glühwürmchenhöhle zu besichtigen; zur Abwechslung darf nicht mal Clemens hinein; er ist noch nicht fünf Jahre alt. Hmpf. Also Planänderung: Die Gegend ist schön, deshalb fragen wir in der i-Site nach, welche Wanderungen man mit Kindern unternehmen kann. Die Dame ist völlig untermotiviert. Sie gibt uns eher keine Auskunft, deshalb erwerben wir eine Broschüre und erfahren, dass man den Anfang (oder das Ende) des Kepler Tracks einfach so erwandern kann. Wir entscheiden uns für den Teil am Seeufer entlang und durchschreiten einen wieder anders zusammengesetzten Wald, auch der obligatorische Abstecher zum See fehlt nicht. (Dort errichten wir in mühsamer Kleinarbeit eine neue Insel. Sie ist dem Strand unmittelbar vorgelagert, aber immerhin wurde sie nicht zur Halbinsel im Laufe der Bauphase.) Weil ich heute nicht gut zu Fuß bin (zu wenig Schlaf), kehren wir bald um und gönnen uns wieder den Campingplatz mit dem Bagger. Bonus: Es gibt eine Badewanne! Die nutzen wir ausgiebig und funkeln und blitzen dann alle vier.

Tag 29: Manapouri (Pearl Harbor).

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Heute besuchen wir einen kleinen Vogelpark, in welchem diverse einheimische Vogelarten gehalten werden, unter anderem die (seltenen, Anfang des letzten Jahrhunderts für tot erklärten und dann in dieser Gegend doch wiedergefundenen) Takahe-Rallen. Es gibt im Park auch eine Sittichart, die in Gefangenschaft demnächst aussterben wird, weil die Population in allen Sanctuaries auf drei Vögel zurückgeht und mit dieser geringen genetischen Vielfalt einfach die Krankheiten in jeder Generation schlimmer werden. Es gibt immerhin noch eine wildlebende Population auf den kleinen Antillen.

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Unsere gestern erworbene Broschüre verrät uns, dass es bei Manapouri (hinter Pearl Harbor) noch eine weitere Wanderung gibt, die mit 3,5 h angegeben wird. Eine Besonderheit gibt es noch – man kann den Beginn des Tracks nur mit einem Boot erreichen, deshalb gibt es ein halboffizielles Wassertaxi. Der Fahrer kassiert, mustert uns kritisch und veranschlagt dann 5 h für den Weg (er muss uns ja später wieder abholen). Uns bleibt etwas die Luft weg, aber wir diskutieren nicht, schließlich sollen wir uns einfach telefonisch melden, wenn wir wider Erwarten zu einer anderen Zeit eingesammelt werden wollen. Los geht‘s! Anfangs machen wir uns noch etwas über die düsteren Prophezeiungen lustig, dass es umgestürzte Bäume und einen sehr steilen Hang gäbe und wir insbesondere mit Clemens Probleme bekämen. Wir versinken nämlich erst einmal im Moor. Irgendwann entlang des Weges wird dann das Moor (ohne zunächst an Feuchte und damit Glitschigkeit zu verlieren) nach oben geklappt und der wirklich anstrengende Teil beginnt. Als dann auch noch liegende Baumriesen den Weg versperren und mühsam überklettert oder umgangen werden müssen, fühlen wir uns wieder mal wie Entdecker. Jedenfalls ist es ein (nett begrenztes und damit nicht so schreckliches) Abenteuer, das Clemens größtenteils von der Kiepe aus genießt. Für uns wäre es noch schwieriger, ihn an der Hand mitzuführen (und damit gleich zwei Gehspuren zu benötigen) und so hat er im Gegensatz zu uns die Puste, bei jedem Schritt mitzustöhnen, wie anstrengend das alles sei. Wir schaffen es bis zum Aussichtspunkt und auch wieder herunter, gut vier Stunden brauchten wir – und Constantin reicht‘s, er möchte sich auch mal wieder bewegen.
Das nächste große Etappenziel ist die Ostküste, deshalb sacken wir alle ein und machen uns schon mal auf den Weg, auch wenn wir heute nicht mehr ankommen werden. Auf dem Weg ins trockene Landesinnere erleben wir übrigens den schlimmsten Regen, den wir bisher in Neuseeland sahen.

Eingestellt von CccC_auf_Reisen 01:44 Archiviert in Neuseeland Kommentare (0)

Sandflies en masse

Nördliche Westcoast

Tag 19: Pancake Rocks

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Unser heutiger Plan ist es, mit einer Dschungelbimmelbahn zu einer Glühwürmchenhöhle zu fahren und diese dann zu erkunden. Allerdings ist das mit Constantin nicht möglich. Ich scheine so betrübt darüber zu sein, dass wir umsonst mit der Bahn zur Hängebrücke fahren dürfen. Leider dauert es eine ganze Weile, bis die Höhlenrafter eingekleidet und eingestiegen sind, weshalb wir ausgiebig den Bahnsteig bespielen und Reste von Schafwolle von den Weichen zupfen. Im Vergleich zur Bahn auf Coromandel ist diese Bahn hier direkt geräumig, aber auf solchen Luxus wie eine Federung wird komplett verzichtet, sodass wir bei jedem Schienenstoß durchgerüttelt werden. Am "Terminal" angekommen, geht es dann noch auf den kurzen Buschausflug zu besagter Hängebrücke. Clemens gefällt es auch durchaus, diese anzuregen. Wer ihm das wohl beigebracht hat? Irgendwann kommt auch die vorangegangene Gruppe von Höhlenraftern zurück und die Bahn rattert wieder unserem Ausgangspunkt entgegen. Wir nutzen den naheliegenden Fluss noch um unser Mittag zu vertilgen und einige Steine ins Wasser zu befördern. Hier gibt es jedoch nur einen(!) riesigen Zielfelsen in der Flussmitte, sodass das Treffen (eigentlich) kein Problem darstellt und wir eher eine Art Boule entwickeln, wobei wir versuchen, Steine an bestimmten Stellen "abzulegen".

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Der nächste Punkt auf unserer Route sind die Höhlen am Fox River. Da uns auf dem Bahnsteig jedoch einige Zeit verloren gegangen ist, fahren wir nur an unserem Zeltplatz vorbei und erkunden zunächst die Pancake Rocks - eine der Sehenswürdigkeiten, an die sich Caroline erinnert, ohne dass wir erst direkt davor stehen müssen. Ein schöner Pfad führt durch den Wald direkt auf die Steilküste und über einige Felsenbrücken hinweg. Leider ist gerade Ebbe, aber das spritzende Wasser ist dennoch beachtlich. Die geschichteten Gesteinsformationen regen die Fantasie an - neben Tieren kann man auch futuristische Städte erkennen. Clemens genießt es, den Wellen zuzuschauen aber die Sonnen brennt ganz schön, sodass wir das Eis anschließend lieber im Schatten genießen.

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Zurück an der Mündung des Fox River wagen wir noch die Flussüberquerung auf der alten Holzbrücke. Diese ist bei weitem keine Seltenheit hier. Entlang der Bahnstrecken sind zum Beispiel zahlreiche Brücken mit hölzernen Untergestellen zu sehen. Am Brückenende geht es mit ein wenig Kletterei, bei der meine Schuhe einmal mit Flussschlamm gefüllt werden, noch durch einen Tunnel, der am Eingang eher wir eine natürliche Höhle wirkt. Für Clemens ist es auf jeden Fall ein großes Abenteuer - und ab jetzt wird er uns wohl auch jeden Tag danach fragen, was wir denn heute für ein Abenteuer erleben werden. Wir beschließen den Tag am Strand und Caroline und Clemens berauben diesen seiner so sorgsam verborgenen Schätze.

Tag 20: Wandern am Fox River.

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Nachdem wir gestern nur die alte Holzbrücke und den als Höhle getarnten Tunnel an der Mündung des Fox River erkundet haben, wandern wir heute nun flussaufwärts. Unser Plan ist es, wenigstens heute eine richtige Höhle zu besichtigen. Der Weg ist zunächst recht einfach und wir können gemütlich durch den Urwald schlendern, doch schon nach wenigen hundert Metern windet sich der Weg freudig mal bergauf, mal bergab. Der Wald behält leider die Aussicht auf die spektakulären Felswände links und rechts der Schlucht meist für sich. Nach einer Weile kommen wir schließlich an die in der Karte vermerkte Kreuzung - nur ist hier ist der Weg zur Höhle mit einer massiven Barriere gesperrt. Um nicht gleich zurück zu gehen, wählen wir den offenen Abzweig zu einem Felsüberhang, der "Ballroom" genannt wird. Der Weg dahin ist allerdings mit mehreren Flussüberquerungen bereichert - die erste wartet direkt vor uns: Der Weg endet an einer der breitesten Stellen des Fox River weit und breit. Nur ein oranger Pfeil etwas flussaufwärts zeigt uns an, dass es dort weiter geht. Also ziehen wir uns die Schuhe und Hosen(-beine) aus und waten durch den Fluss. (Das macht man eben nicht nur in Norwegen so!) Anschließend machen die Kinder erst einmal auf unseren Schultern Mittagsschlaf und der Weg zieht sich weiter und weiter und weiter und weiter... An der nächsten Abzweigung beschließen wir, dass es jetzt genug sei: Mittagspause und dann zurück. Der weitere Weg hätte nochmal eine Stunde durch das Flussbett stolpern bedeutet. Der Rückweg ist gefühlt halb so lang und auch die Flussüberquerung fällt uns etwas leichter. Beinahe hätten wir auch noch ein Unterhaltungsprogramm genießen können: zumindest sah es bei den anderen etwas wackeliger aus.

Tag 21: Shantytown.

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Wir sehen uns morgens die größte Stadt der Westküste, Greymouth, an. Das nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, denn selbst dem Reiseführer fällt nicht mehr ein, als die Flutmauer und ein einziges weiteres Haus anzupreisen…

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Danach machen wir uns wieder gen Süden auf den Weg und bleiben in einem (angeblich wieder aufgebauten) Goldsucherdorf hängen. Wenn man sich die befestigten Straßen wegdenkt und überhaupt der ganzen Siedlung einen heruntergekommenen Charakter unterstellt, bekommt man wohl eher ein wahrheitsgetreues Bild. Dazu passen dann auch die Zeitzeugenanekdoten, die überall auf Tafeln gezeigt werden. Shantytown besitzt und besaß jedenfalls alles, was man in so einer Gegend braucht: Kneipen, Sägewerke, eine Bahnstrecke zum Holz- (damals) bzw. Touristentransport (heute) und eine Erzzerkleinerungs- und Goldgewinnungsmaschinerie, natürlich wasserbetrieben. Auch beim x-ten Besuch dieser Art lernen wir noch Neues. Beispielsweise wird hier die durchaus wichtige Rolle der chinesischen Einwanderer näher beleuchtet, die nicht alle als Goldsucher tätig waren, sondern sich vor allem auf die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln spezialisiert hatten. Es werden auch andere wichtige Gewerke präsentiert, unter anderem Schuster oder Schmiede, für die wir dann am Ende des Tages jedoch nicht mehr viel Geduld aufbringen. Lediglich die Buttertrommel reißt Clemens noch einmal aus der Apathie, denn man kann sie nicht nur angucken und sich etwas erklären lassen sondern sie lässt sich auch drehen.
Unser Campingplatz ist mal wieder ein kleiner vom DOC, diesmal allerdings Weka-verseucht. Die Kiwi-großen Vögel sind angeblich selten, aber hier sind sie eher eine Plage, denn sie können vielleicht nicht fliegen, aber ziemlich hoch hüpfen, und sie sind sehr neugierig! Ich hatte die ganze Zeit Angst, dass sie es sich im Wohnwagen gemütlich machen, während wir kurz abgelenkt sind. Immerhin gibt es hier kaum Sandflies, das ist ein nicht geringer Standortvorteil.

Eingestellt von CccC_auf_Reisen 11:41 Archiviert in Neuseeland Kommentare (0)

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