Reise blog von Travellerspoint

Abschied von der Südinsel

Erdbebenschäden und weiteres Getier

Schon wieder: Es gibt hier wenig Internet, jedenfalls da wo wir uns aufhalten, deshalb hier erstmal nur Texte.

38. Hooker Valley.
Mit immer noch tropfenden Nasen erwachen wir viel zu früh. Über Nacht haben sich die Wolken verzogen und der Anblick der Berge um uns herum ist grandios. Wir laufen wohl zu spät los, die größeren Reisegruppen überholen uns mehrfach, nur um dann vor uns stehen zu bleiben um einer Erklärung zu lauschen. Doch nach der ersten Hängebrücke legt sich dies. (Die Reisegruppen kehren offensichtlich nach dem ersten Aussichtspunkt um). Links und rechts des Weges gibt es ab und an „neue“ Pflanzen zu sehen, d.h. wir haben sie erstmalig hier in Neuseeland gesehen (was aber auch daran liegt, dass einige nur hier vorkommen). Ob des Ausbauzustands des „Wanderweges“ spotten wir ein wenig, dass wir den Kinderwaagen hätten mitnehmen sollen und dringen weiter in das Seitental vor, wo sich uns der Blick auf den Mt. Cook vollends eröffnet. Nach zwei weiteren Hängebrücken, welche natürlich alle entsprechend ihrer Moden angeregt werden müssen (auch wenn uns das nicht gelingt), erklimmen wir die letzte Endmoräne vor uns und blicken auf einen weiteren Gletschersee mit zahlreichen kleinen und großen Eisbergen - nur fahren hier keine Boote umher. Das Panorama mit dem höchsten Berg Neuseelands (na? Wer erinnert sich an den Namen?) ist pittoresk. Schließlich treten wir im brennenden Sonnenschein den Rückweg an und staunen, wo wir (und vor allem Clemens) heute schon lang gelaufen sind.

39. Christchurch.
Nach einigem Autofahren kommen wir endlich in Christchurch an. Eigentlich hätte man ja erwarten können, dass man die Gelegenheit nutzt, wenn schon mal die halbe Stadt zusammengefallen ist, um stadtplanerisch Straßen sinnvoll zu führen und eine wirkliche Infrastruktur zu schaffen, aber die Einwohner hingen wohl an ihrer Stadt, die sie 2010/11 verloren haben. So schaffen wir es durch die Vororte und den mittleren (er liegt zwischen Innenstadt und Wohngebieten) Gewerbegürtel ins Zentrum. Der Botanische Garten wartet mit mächtigen Bäumen auf, die gar nicht so alt sind, wie sie tun – dank des hiesigen Klimas sind die einfach schnell groß geworden. Auch den Weihnachtsbaumkugeln scheint das Wetter gut zu tun, nur passen sie nun nicht mehr an den Baum. Nach dem Spaziergang durch Stadtgrün, nehmen wir noch die historische Straßenbahn durch das Zentrum. Es wird einiges zu den tollen neuen Projekten und Gebäuden erzählt, aber der Anblick der Innenstadt ist immer noch traurig: Es gibt viele freie Flächen (welche erst einmal(?) als Parkplätze genutzt werden), viele Ruinen – mehr oder weniger abgestützt – und natürlich unzählige Baustellen. Überall werden neue Einkaufsmöglichkeiten (mit Fachgeschäften wie H&M…) und Büroräume errichtet, aber ansprechend sind die wenigsten Entwürfe. Ansonsten ist die Straßenbahnfahrt eine gute Möglichkeit, ohne Plattfüße alle Attraktionen zu besuchen und der Kinderwagen darf sogar ein wenig Frischluft schnuppern, während er draußen mitfährt.

40. Banks Penisula.
Wir erwachen im Nieselregen, sind aber gewillt dem Wetter noch eine Chance zu geben und fahren noch weiter auf die Halbinsel. Die Wanderung auf den Höhenzügen wählen wir jedoch sehr schnell ab, da die Sichtweite sehr gering ist. Stattdessen werden wir fraktional: Wir erwandern eine Halbinsel, die an einer Halbinsel dran hängt – was das mit nicht-ganzzahligen Dimensionen zu tun hat, erkläre ich dann ein anderes mal. Der Weg führt zunächst an einem kleinen Sandsteinhügel vorbei, dessen Muster und Formen (ehemalige Sedimente) beeindruckend abwechslungsreich sind. Der Strand ist für Clemens erst mal zu verlockend und so müssen zunächst Muscheln, Tang und Stöcke gesammelt werden. Danach geht es über üppige Wege auf den Hügel vor uns und wir können den Rundumblick über die Bucht genießen. Der Rückweg führt durch den Wald und wir finden hier und da recht interessante Pflanzen (z.B. Blüten, die direkt aus der Erde kommen). Dann müssen wir uns auf den Weg in den Norden machen, schließlich fahren wir demnächst zurück auf die Nordinsel.

41. Kaikoura.
Der einzige im Reiseführer erwähnte Zwischenstopp an der Ostküste ist unser heutiger Programmpunkt. Wir hoffen darauf, Wale oder Hectordelfine von einer weiteren Halbinsel aus zu erspähen. Dazu ist es natürlich nötig, diese zu erwandern. Für den Hinweg wählen wir die Aussicht von den Klippen und werden zunächst enttäuscht. Statt der Meeressäuger sehen wir nur Beobachtungsboote, die die Küste hinauf- und hinabbrausen. Später offenbart sich uns jedoch der Ausblick auf eine wahrlich üppige Robbenkolonie: viele schwarze Punkte auf den vorgelagerten Felsen. Am nördlichen Ende der Halbinsel kehren wir um und laufen am Strand zurück zum Parkplatz. Nachdem unsere Nasen die Möwenbrutplätze überstanden haben, schauen wir uns die Robben aus der Nähe an und sehnen uns danach, auch mal einen Tag nur in der Sonne herumzuliegen (jedenfalls manche von uns).

42. Picton.
Angekommen. Weiter nach Norden können wir an dieser Stelle nicht mit unserem Wohnmobil fahren, es kann nicht schwimmen. Die Fische hingegen können das prima, das schauen wir uns im lokalen Aquarium an. Abgesehen von wirklich beeindruckend großen Exemplaren der lokalen Wasserfauna gibt es (natürlich, wir sind ja in Neuseeland – dass das nur ja niemand hier vergisst!) eine Reptilienfamilie, Tuatara, die mit viel Aufwand vor dem Aussterben bewahrt werden soll. Früher (auch das hört man immer wieder) war sie überall auf dem „Festland“ verbreitet, heute gibt es sie noch auf ein paar vorgelagerten Inseln. Ihr existenzbedrohendes Problem besteht darin, dass es auf diesen kleinen Eilanden kaum oder keine Bäume und daher keinen Schatten gibt. Deshalb werden die im Sand gelagerten Eier zu warm und es schlüpfen nur Männchen. Es sollen also künstlich Weibchen nachgezogen werden. So richtig fortpflanzungsfreudig sind die Tuatara leider nicht. Es ist durchaus möglich, dass sie zwar schon mit 30 Jahren geschlechtsreif sind, aber weitere 60 Jahre einfach nur vor sich hin leben, ehe sie beschließen, das Elterndasein sei erstrebenswert… Die drei Männchen im Aquarium überlegen seit sechs Jahren, wer denn der dominante sei.
Nach diesem erhellenden Besuch essen wir stilecht Fish‘n‘Chips und verbringen den Nachmittag auf dem Spielplatz und am Wasser beim Zeltplatz. Sogar baden ist noch drin!

43. Überfahrt zur Nordinsel.
Unser heutiger Plan besteht darin, uns chauffieren zu lassen. Immerhin dauert die Überfahrt fast vier Stunden (und heute müssen wir nicht zu nachtschlafender Zeit da sein), dann ist nicht mehr viel Tag übrig, um anderes zu tun. Zunächst nehmen wir aber unser Fährticket entgegen und reihen uns in die lange Schlange vor der Fähre ein. Wir haben den optimalen Warteplatz. Direkt nebenan wird eine Dampflok auf ihre heutigen Fahrten vorbereitet: Es wird Öl nachgefüllt, das Feuer mit Holz in Gang gebracht, bevor es mit Kohle am Laufen gehalten wird, auch Wasser wird mit viel Brimborium aufgefüllt. (Beim zweiten Versuch sind auch beide Schlauchenden angeschlossen, sodass das Wasser in den Kessel gelangt. Clemens fühlt sich an die Feuerwehrübungen vor vier Wochen erinnert, als die angehenden Feuerwehrleute sich selbst duschten. Während des Füllens rätseln wir ein bisschen, woran man wohl erkennt, dass der Kessel voll ist, aber dann läuft es spektakulär über und unsere Frage ist beantwortet.) Leider müssen wir auf die Fähre fahren, bevor die Lok losfährt.
Während der Überfahrt verziehen wir uns in die Spielecke (heute nicht im Keller!), wo beide Kinder freudig vor sich hin spielen. Clemens übt balancieren auf drehbaren Elementen, Constantin schwingt sich zu Höchstleistungen auf und zieht sich in den Stand hoch. Wir sind beeindruckt, hoffen aber, dass er sich noch zwei Wochen zurückhalten kann, bevor er losläuft...

Eingestellt von CccC_auf_Reisen 09:40 Archiviert in Neuseeland

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