Reise blog von Travellerspoint

Der einsame Berg

...ist gar nicht einsam, sondern oft besucht

44. Wanganui.
Heute besehen wir uns die Stadt am Ende des großen Kanuflusses, sie heißt passenderweise auch Wanganui. Zu meinem nicht geringen Erstaunen gab es bis 1950 mehrere Straßenbahnlinien in der Stadt, die die zahlreichen Arbeiter aus den Vororten herbeischafften. Warum sie den Verkehr gleich ganz eingestellt haben, wurde leider nicht erläutert, aber vermutlich ging es dieser lokalen Bahn wie den Fernzügen auf der Südinsel: Auf die eine oder andere Weise verfiel ein Abschnitt so sehr, dass man ihn hätte instand setzen müssen. Das lohnte sich jedoch nicht mehr, seit mehr und mehr Automobile als bevorzugtes Verkehrsmittel herumfuhren. Immerhin einen Straßenbahnwaggon haben lokale Enthusiasten gerettet und in mühevoller Kleinarbeit vor 5 Jahren restauriert. So fahren wir also sagenhafte 50 m mit diesem Waggon hin und her (immerhin zweimal), wobei besonders das Umsetzen des Stromabnehmers ein Event ist.
Anschließend wollen wir noch die lokale Höhendominante erklimmen, mit Unterstützung durch einen „Bergfahrstuhl“. Die hiesigen Menschen müssen ein besonders fauler Haufen gewesen sein, denn die hatten nicht nur die bereits erwähnten Straßenbahnen, sondern sie bauten auch extra in diesen Hügel einen Fahrstuhl ein, damit sie nicht immer laufen mussten. Dieser ist bis heute in Betrieb und wird wohl von Schülern (und manchmal Touristen) rege genutzt. Der Zugangstunnel ist schnurgerade und hat ein exzellentes Echo, welches wir auf dem ganzen Wege testen – die Fahrstuhlbegleiterin meint hinterher lakonisch, wir hätten nicht klingeln brauchen, sie habe uns bereits deutlich kommen hören. Von oben bietet sich ein grandioser Ausblick mit Fernsicht dar: Im Norden liegt der „einsame Berg“ (Taranaki / Mt. Egmont), im Osten können wir das Tongariro-Vulkanmassiv vom Anfang der Reise erkennen.
Auf dem Rückweg zum Auto schauen wir noch ein paar Jugendlichen zu, wie sie sich von der Brücke in den Fluss stürzen. Sie machen das offenbar nicht zum ersten Mal.

45. Taranaki.
Wir gehen auf Tuchfühlung mit dem Vulkan. Mit Kindern ist es uns leider versagt, ihn auch zu besteigen, aber wenigstens an seinen Flanken herumwandern ist drin. Namentlich gibt es einen Rundweg, der zu natürlichen Felsenbecken, Wilkies Pools, führt. Die Sonne brennt heute sehr, deshalb ist das ein angemessenes Ziel; wir haben nur leider die Badesachen vergessen, weshalb wir das Baden den anderen Familien überlassen. Weiter flussabwärts wurde ein kleines Wasserkraftwerk installiert, das (natürlich) als „historisches“ Gebäude beworben wird (es ist schließlich mehr als 100 Jahre alt!). Nunja. Es ist ein Kraftwerk, es liefert den Strom für das Informationszentrum hier oben. Interessanter ist ein weiterer Wasserfall, der aus beachtlicher Höhe in die Tiefe stürzt. Auch hier gibt es wieder die Badewütigen, leider ohne uns.
Zum Tagesabschluss besuchen wir (die Großen) noch einen Garten, einzeln, weil die Kleinen nach so vielen Eindrücken erst mal eine Runde schlafen müssen. Es gibt eine riesige Auswahl an Rhododendren. Um diese herum wurden andere Pflanzen gefällig arrangiert, sodass im Ergebnis ein sehr ansehnlicher, leider schon größtenteils abgeblühter, Garten entstand.

46. Stratford.
Wir besuchen eine weitere Variante historischen Freilichtmuseums, diesmal in Stratford. Es gibt eine große Anzahl verschiedenster Gewerke, denen jeweils ein eigenes Haus gewidmet ist. Für Clemens besonders wichtig ist jedoch das Schulgebäude mit angeschlossener Polizeiwache (und Gefängnis!). Selbstverständlich fahren wir auch mit der Eisenbahn eine Runde um das Gelände, ich bin auch nur ein kleines bisschen enttäuscht, weil es diesmal keine echte Dampflok ist, sondern ein Imitat mit Dieselmotor.
Anschließend nutzen wir das schöne Wetter, um den „einsamen Berg“ noch einmal aus der Ferne, über einen See hinweg, zu betrachten. Spiegelungen gibt es nicht, aber jede Menge Enten und Schwäne, die ihre Küken ausführen.

47. New Plymouth.
Nach zwei Tagen Sonne satt (und einer leeren Sonnencreme) werden wir heute Morgen von Wolken begrüßt. Das ist direkt eine Erleichterung, auch wenn wir nicht mehr den tollen Berg erkennen können, den (fast) jeder Laden in der Stadt in seinem Logo verarbeiten musste. Trotz akuter Unlust (wir sind dann doch langsam urlaubsmüde) geben wir der Stadt eine Chance und fahren ein Stück hinein. Zu unserer Überraschung ist sie doch ganz schön: Das Kunstmuseum wartet mit einer kleinen feinen Ausstellung auf: Illusionen. Wir staunen vor dem Glasfasermenschen, dem auf der Schallplatte tanzenden DJ und sind emsig dabei, virtuelle Buchstaben in die Flasche hinein und aus ihr hinaus zu pusten. Da uns dieser Teil so gut gefallen hat, nehmen wir uns auch noch die oberen Etagen vor: Ein buntes Sammelsurium stellt das Leben in der Region Taranaki im Wandel der Zeiten dar, jedenfalls im Wandel der letzten 150 Jahre. Von Ölbohrköpfen und Taucherglocken bis hin zu Violinen war vieles in den Vitrinen. Das letzte Geschoss stellt wieder einmal die heimische Flora und Fauna vor. Dabei liegt das Augenmerk erstmalig auch auf dem einzigen ursprünglich in Neuseeland lebendem Säugetier: der Fledermaus. Die ablaufende Parkuhr scheucht uns schließlich aus den Hallen und wir schaffen es nur noch, die Brewster Gallery von außen zu bewundern: eine hübsch gewellte und spiegelnde Fassade. Das Gebäude gegenüber sah auch halbwegs ansehnlich aus, sodass die Spiegelung etwas hermacht. Durch einige kunstvoll mit Graffiti verzierte Gassen wandern wir dann zurück zum Auto. Nur New Plymouths berühmteste kinetische Skulptur, das Auge über dem Hafen, enttäuscht uns. Es tut sich nämlich rein gar nichts. Der Wind weht eben am Meer gleichmäßig aus einer Richtung...

Nach der Stadt stehen noch zwei Strandbesuche an. Zunächst bewundern wir von einer Kuhweide über den Klippen die (ehemals) drei (jetzt zwei) Schwestern – Felsen im Meer, welche man bei Ebbe auch gut zu Fuß erreichen kann. Doch die Flut trägt uns weiter zu den schwarzen Stränden von Mokau. Da es gerade zuvor ein wenig getröpfelt hat, ist die oberste Schicht richtig schwarz und fühlt sich seltsam unter den Füßen an. Darunter ist feinster schwarzer Sand, auf dem die Muscheln danke guten Kontrasts einfach zu finden sind. Doch auch hier vertreibt uns der Regen und wir fahren weiter, um es morgen zu den Höhlen von Waitomo nicht mehr so weit zu haben.

48. Höhlen über Höhlen unter Höhlen neben Höhlen.
Nachdem wir nun schon an zwei Orten nicht in den Genuss der Glühwürmchenhöhlen kommen konnten, haben wir uns heute gleich zwei vorgenommen. Hier in Waitomo ist das auch gar kein Problem, da es das hiesige Höhlenmekka ist. (Es sind Touren durch diverse Höhlen und mit Rafting bis 7h möglich, aber wir lassen es lieber trocken angehen.) Zuerst besuchen wir die Ruakuri-Höhle, die einen künstlichen Eingang bekommen hat, da die Maori im ursprünglichen Eingangsbereich Bestattungen vorgenommen haben und nun ist dort alles heiliges Land, das nicht mehr betreten werden darf. Als alternativer Eingang wurde ein Schacht gegraben und mit einer Spiralrampe ausgestattet, die (aus purer Effekthascherei) stückchenweise weiter beleuchtet wird. Unten wurde ein Kalkstein platziert, der nun ständig den Wassertropfen ausgesetzt ist, die von der Decke herabtropfen; schon im Laufe weniger Jahrzehnte hat sich das Wasser beeindruckende Löcher und Rinnen geschaffen. Dem künstlichen Eingang folgte ein Tunnel, der in mühevoller Handarbeit vom Schlamm befreit wurde, damit die Touristen laufend und nicht kriechend in die Höhle gelangen können. (Und der Dreck musste in Schubkarren die Rampe hochgefahren werden.) Neben den zu bestaunenden Gesteinsformationen bewunderten wir vor allem die kleinen Stars des Dunkels: Glühwürmchen. Diese leuchtenden Larven klebten in großer Zahl in einigen Bereichen der Höhlendecke. Anders als bei den europäischen Exemplaren handelt es sich hier um Fliegenlarven, welche mit langen Fäden (fast wie Spinnen) und Neurotoxintropfen ihrer Beute habhaft werden. Der Tod durch ein Glühwürmchen ist wohl auch auf der Liste der schlimmsten Todesarten im Tierreich (nach der National Geographic) vertreten: Die vom vermeintlichen Sternenhimmel angelockten Mücken bleiben an den Fäden kleben, werden durch die Toxine gelähmt und im Laufe der nächsten Stunden vom Glühwürmchen nach und nach verflüssigt und aufgesaugt. Die ausgewachsenen Fliegen sind jedoch eher langweilig: keinen Mund und nur Fortpflanzung im Sinn. Das Weibchen muss ihre 200 Eier dabei sorgfältig in 20er-Packs an der Höhlendecke verteilen, da die zuerst schlüpfende Larve ihren Hunger stets mit ihren Geschwisterchen zu stillen pflegt. Der Fluss bringt immerzu neue Insekten mit in die Höhle, sodass die Glühwürmchen fröhlich weiter ihre Opfer anlocken können. Ohne die Todeskämpfe im einzelnen betrachten zu müssen, sind die vielen grünen Punkte im Dunkel einfach hübsch anzusehen.

Nach dieser ausgiebigen Höhlentour bleibt uns noch ein wenig Zeit, ehe wir die zweite Höhle erkunden können. Also gehen wir noch den hiesigen Bush Walk, der sich stellte als eine unerwartete Bereicherung darstellt: Im enger werdenden Flusstal können wir den Fluss in einer riesigen Höhle verschwinden sehen und auch unser Weg führt uns immer wieder durch kleine Kalksteintunnel, was mit der Kiepe eine echte Herausforderung darstellt.
Die nächste Höhle, die Waitomo Glowworm Cave, ist die Hauptattraktion des Dorfes und hier ist der Betrieb schon reger: im Viertelstundentakt werden Gruppen zu 30 Leuten hindurch gescheucht. Die Haupthalle ist riesig und das im dunkeln von allen gemeinsam gesungene Jingle Bells klingt auch nicht so übel. Clemens zumindest gefällt es. Die Informationen decken sich mit dem Vormittag, sodass wir Zeit haben uns umzuschauen – nur die Kamera musste draußen bleiben. Höhepunkt der Tour ist eine Bootsfahrt unter dem Glühwürmchenhimmel hinaus ins Freie; das ist echt ein Erlebnis. Da unsere Gruppe nicht in die vorgesehenen zwei Boote passt, bleiben wir alleine zurück am Bootssteg und haben die Glühwürmchen ein Weilchen für uns alleine, ehe wir mit der nächsten Gruppe nach draußen gezogen werden. (Mit den Leuchtpunkten ist es auch nicht komplett dunkel, sodass es eigentlich recht gemütlich ist – auch hier können wir die Höhlenakustik noch mal testen, es klingt gut!)
Eigentlich gibt es hier ja noch eine dritte Höhle, doch wir haben andere Pläne. Wir unternehmen einen Abstecher in Richtung Küste, um einen Wasserfall, eine kleine frei zugängliche Höhle (für die wir endlich unsere Taschenlampe brauchen!) und eine natürliche Felsenbrücke zu erkunden. Alle Ausflüge lohnen sich auf ihre Art und Weise. Der Wasserfall ergießt sich in breiter Front ins Tal und sieht aus wie eine altertümliche Filmkulisse, unter der Felsbrücke kann man die Stalaktiten endlich mal bei Tageslicht ablichten. Diese Brücke ist der Überrest einer Höhle, deren Decke zu schwer wurde.
Geschafft von so vielen Eindrücken kehren wir einfach zum Farmzeltplatz zurück und lassen die Kinder in der Spielecke frei.

49. Hobbiton.
Wir konnten nicht widerstehen und schauen uns heute doch noch ein Set an. Auch wenn es viel zu teuer ist und viel zu viel zu viele Menschen dort sind: Das Auenland muss noch ein wenig erkundet werden. In Hobbiton wurden sowohl der Herr der Ringe als auch später der Hobbit gedreht, nur war zwischendurch alles abgebaut. Erst im zweiten Anlauf hat man die finanziellen Möglichkeiten erkannt und alles etwas dauerhafter gestaltet.
In Reisebussen geht es vom Parkplatz zum Hobbitdorf , doch bei der Gruppenstärke und mit Clemens‘ Fragen zwischendurch bekommen wir nur die Hälfe der Führung mit. Wir sind aber neugierig darauf, die Filmszenen nochmal zu schauen, um es nun vielleicht besser würdigen zu können. Die Hobbithöhleneingänge sind allerliebst gestaltet und auch die Gärtner haben ein Lob verdient, da sie diesen Park zu unmöglichen Arbeitszeiten in Schuss halten. Die Größen der Höhlen variieren, damit man die Leute im Film entsprechend groß oder klein aussehen lassen kann.

Eingestellt von CccC_auf_Reisen 10:37 Archiviert in Neuseeland

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